Thema Gefühlswelt

Ich hatte vor einiger Zeit mal wieder aus erster Hand erfahren dürfen, wie schnell einen doch die Gefühle packen können. Also ich denke es wäre vielleicht auch für angehende Gastfamilien oder Austauschschüler ganz interessant zu wissen, wie man sich manchmal so fühlt, wenn man weitestgehend alleine in einem Land lebt wo die Sprache in vielerlei Hinsicht noch Neuland ist und man sich noch nicht richtig in die Gesellschaft integrieren konnte. Als erstes würde ich sagen, dass man auf jeden Fall übersensiebel wird für das was Menschen um dich herum machen oder wie sie mit dir sprechen. Der Großteil deiner Aufmerksamkeit geht bei einem Gespräch auf die Gestikulierung und die Art und Weise wie sie mit dir sprechen, eher ein kleinerer auf den Gesprächsinhalt. Es ist erstaunlich wie schnell du auch nur die kleinsten Veränderungen in der Tonlage bemerkst und wenn dein Gesprächspartner mal nicht aufpasst wie er etwas sagt, hast du gleich das Gefühl, dass du etwas falsch gemacht hast. In Japan kommt noch hinzu, dass du, auch wenn du noch so gut beobachtest, meistens nichts von den wirklichen Gedanken deines Gegenübers mitbekommst. Schon manchmal gruselig, wie man denkt es ist alles in Ordnung und plötzlich ruft dich dein Koordinator an und gibt dir eine Liste mit Sachen die du doch bitte verbessern solltes, oder deine Familie fühlt sich nicht wohl wie du mit ihnen sprichst etc. Ich habe mich oft bei dem Gedanken erwischt, „Warum können sie mir das nicht selbst sagen?“. Ich habe später herausgefunden, dass es in den Augen der Japaner höflicher ist einem das über eine dritte Person mitzuteilen, weil sie dir die Peinlichkeit ersparen wollen es von ihnen persönlich zu hören. In vielen Fällen jedoch (meine Erfahrung) bewirkt diese Art zu Handeln eher das Gegenteil. Viele fühlen sich hintergangen und es ist ihnen peinlicher es von jemand anderem zu hören, als ein Problem oder ein Missverständnis gleich vor Ort lösen.  Dies ist eines der vielen großen kulturellen Unterschiede, mit denen man gerade auch in Japan zurechtkommen muss und in vielen Fällen ist es sehr frustrierend.

Du fühlst dich natürlich nicht nur unwohl, wenn man ein Lob bekommt, oder ein Gespräch mit deiner Gastfamilie oder deinen Freunden gut gelaufen ist, freut man sich wie ein Honigkuchenpferd. In diesen Momenten kommt dir wieder in den Sinn warum du in dieses Land gehen wolltest und man ist stolz auf sich, dass man es tatsächlich so weit geschafft hat. Aber auch im Zug, Klassenraum oder auf der Straße, wenn man etwas versteht und mit der Zeit wird das immer Mehr, freust du dich dumm und dämlich. 😀 Eines der besten Momente ist auch, wenn Japaner neben dir etwas über dich sagen und plötzlich antwortest du denen einfach. Ich denke jeder der so etwas schon mal gemacht hat stimmt mir zu, dass das eines der selbstbefriedigensten Momente ist. xD

Es gehört aber auch viel Frust in das Austauschschülerdasein. In so vielen Momenten würdest du gerne etwas sagen, aber du weißt nicht wie, oder du kannst anderen nicht signalisieren, dass du sie verstanden hast. Es ist am Anfang ein ständiges in den Seilen hängen, anders als zu Hause, wenn du in der Schule mal nicht die Antwort wusstest. Natürlich wird auch das mit der Zeit besser,man darf sich bloß nicht abschrecken lassen und es immer und immer wieder versuchen, irgendwann hat man den Dreh raus. Und wenn du das geschafft hast, fängt das Austauschjahr an richtig Spaß zu machen. Es lohnt sich auf jeden Fall die Anfangsprobleme durchzustehen! Du bekommst viel zurück. 🙂

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